Kulturterrorismus.de [2011]

Nicoffeine
»Lighthealer Stalking Flashplayer«


Beeindruckender Emotionsrausch!

Völlig unerwartet aus dem Nichts überrollen mein Büro Nicoffeine mit ihrem aktuellen Langspieler “Lighthealer Stalking Flashplayer”, der irgendwo zwischen Noisecore, psychedelischem Rock & Free Jazz ufert, woran auch geübte Ohren definitiv zu knacken haben.BluNoise, eine langjährige Herzensangelegenheit von Guido Lucas, der bei Nicoffeine den Bass wie Synthesizer bedient, wo “Lighthealer Stalking Flashplayer” in den Formaten CD und Vinyl (inklusive Downloadcode versteht sich von selbst, oder?) das Licht der Welt erblickte.

Humorvoll geschilderte Sexpraktiken stehen im Fokus von “Lighthealer Stalking Flashplayer”, das in keinster Art & Weise billig rüberkommt, sondern immer hohen Ansprüchen genügt, eine Tatsache, die sich auch innerhalb der Tonkunst fortsetzt, wo das Trio plakatives Lustgestöhne zugunsten von Gitarrenarbeit à la Jimi Hendrix verzichtet, das dieser Platte einen ganz besonderen Reiz verleiht, welche ansonsten zwischen derben Noisecorebrett und psychedelischem (Kraut-) Rock mit teilweise Free Jazz Strukturen schwingt.

Diejenigen, die Melodiösität genauso schätzen wie Atonalität, müssen “Lighthealer Stalking Flashplayer” unbedingt ausprobieren, das vielfältig wie emotional aus den Boxen erhallt und Kopfkino der Extraklasse auslöst, wenn sie/ er sich den Klangfarben vollends hingibt. Mehrheitlich erwartet die Konsumenten hier ein reines Instrumentalalbum, welches Soheyl Nassary (Gitarre, Gesang, Synthesizer), Jörg A. Schneider (Schlagzeug, Percussion) und Guido Lucas (Bass, Synthesizer) nur minimal mit Gesangsspuren versetzen, weshalb das Ohrenmerk vordergründig auf den Gitarrenlinien und Schlagzeugparts liegt, deren Intensität total in den Bann ziehen – Wahnsinn! Insgesamt eine sehr mitreißende Publikation, die von Anfang bis Ende Gefangen nimmt, wodurch die Benennung eines Anspieltipps entfällt – einfach Ein- bzw. Auflegen, Augen zu, den Rest übernehmen Nicoffeine mit “Lighthealer Stalking Flashplayer”!

Fazit:
Nicoffeine, eine mir bisher völlig unbekannte Band, welche mit “Lighthealer Stalking Flashplayer” ein echtes Kleinod abliefert, das vor allem durch seine beeindruckende Gitarrenspuren auffällt – meine absolute Empfehlung!


kulturterrorismus.de | 2011



Marcel Von Der Weiden [2011]

Nicoffeine
»Lighthealer Stalking Flashplayer«


Von allen Seiten her schreit die Musik auf uns ein: „Wähle mich als das Artefakt Deines Lifestyles, denn siehe: ich spiegele Deinen Hass und Deine Verlorenheit; wähle mich, denn ich walle manche Strecke, um Dir das Wasser für Dein Sentimentalitäts-Bad herbeizutragen; wähle mich, denn ich spiegele Deine Geilheit und Deinen Größenwahn; wähle mich, denn Du hältst Dich für verrückt und ich bin schon sehr „krank“; wähle mich, denn ich bin genauso intellektuell wie Du; wähle mich, denn ohne mich bist Du nicht fit genug for fun.

Auch einige Vertreter des sogenannten Noise Rocks, bzw. der Avantgarde machen Musik, die uns geflissentlich zuruft und uns freundlicherweise dabei unterstützten möchte, uns in unserer selbstgewählten Verortung sicher zu fühlen.

Nicoffeine gehören zu der überschaubaren Fraktion der Noise – Avantgarde – Musiker, die Musik spielen, die uns nicht direkt zu labert – und ich meine hier natürlich nicht die Tatsache, dass bei Nicoffeine Gesang nur sehr dezent; quasi als Werkzeug Einsatz findet, sondern das Gefühl, dass man als Hörer nicht auf Teufel komm raus eingeladen ist. Man muss schon selber hingehen.

Frage: „Und was erwartet mich, wenn ich da hingehe?“ Antwort: „Keine Ahnung.“ Vielleicht ein energischer Ausraster, vielleicht Kopfweh, vielleichtVerständnislosigkeit. Vielleicht ein Spiegel, der nicht im Bekleidungs-Haus hängt und Dir zeigt, was Du sehen willst, sondern der Dir alles zeigt, was da ist. Eventuell zeigt er Dir, dass Du doch gar nicht so hart und krank  und durchaus harmoniesüchtig bist, wenn eine schreiende Gitarre plötzlich in eineMelodie umkippt. Eventuell zeigt er Dir das Gegenteil.

Bereits seit 1998 – damals noch unter dem Namen Midian - verfolgen Nicoffeine ihren Kurs, der über die Jahre hin immer konsequenter geworden ist. Kern der häufig wechselnden Besetzung waren Bassist Christian Jung, der jetzt allerdings mit seiner Band Corova eine andere Richtung eingeschlagen hat und natürlich Gitarrist und Sänger Soheyl Nassary, der von Beginn an für die Musik und auch sämtliche grafischen Aspekte der Band verantwortlich war. Zurzeit bestehen Nicoffeine neben Nassary aus bluNoise Mann Guido Lucas (Les Hommes Qui Wear Espandrillos, Lude, Scumbucket, Genepool, KEN, Tomzack usw.) und dem fleischgewordenen Gewitter Jörg A. Schneider (Les Hommes Qui Wear Espandrillos, Lude, Sun, Fischessen, Tarngo usw.) am Schlagzeug.


Marcel Von Der Weiden | 2011



Carsten Sandkämper [2011]

Nicoffeine
»Lighthealer Stalking Flashplayer«


Es folgt der Presseservice.
Pro: Dieses Album ist liebenswert aufgrund seiner fehlenden Kompromissbereitschaft.
Contra: Dieses Machwerk ist ungefähr so nützlich wie ein Echo in deinem Sarg.

Gern geschehen.
Und jetzt zum Ernst der Veranstaltung.

Der Unterschied zwischen weißem Rauschen und Musik ist im Falle von Nicoffeine wesentlich geringer als – sagen wir mal – bei Supertramp. Oder Popmusik im Allgemeinen. Oder im Speziellen: Indie-Rock. Dieses Wort bitte genau an dieser Stelle komplett und unwiederbringlich vergessen! Die nächsten Zeilen, diese radebrecherischen Versuche, „Lighthealer Stalking Flashplayer“ an einer Wortkette aufzureihen, haben nichts, aber auch verdammt nochmal gar nichts zu tun mit Indie-Rock. Vergessen? Gut.

Die Geschwindigkeit, mit der Nicoffeine dem Kosmos greifbarer Kategorien entflieht, ist atemberaubend. Getrieben von Impulsen, dem Drang nach vorne und einer  klaren Vorstellung vom entschieden Anderen.

Den Piloten, Guido Lucas, Jörg Schneider und Soheyl Nassary, würde man im echten Leben nicht für eine Minute den Steuerknüppel überlassen. Zu abgründig, zu fordernd scheint der Kurs, auf dem sie in die Sonne stürzen. Ein kosmischer Trip, der im Wortsinne zu den Roots des Krautrock zeigt, die hier mehr als durchscheinen. Amon Düül II und Can hätten ihre Freude dran. Wenn sie unsere Zeit verstünden. Und den Krach ertragen könnten.

Nicoffeine 2010 wurzelt in Vorstellungen von musikalischer Entäußerung, der hypnotischen Sogwirkung von sich frei entfaltenden Patterns und Clustern. Zelebriert wird das Ganze mit den Mitteln von heute, der verzerrten Lautstärke der Welt jenseits des Milleniums und der oftmals abstoßend anonymen Ästhetik des Popzeitalters.

Ihr Sound ist brutal, magnetisch und schroff, nie anbiedernd oder offensichtlich melodiös. Kompromisslos für die einen, unhörbar für die anderen. Polarisierung durch Musik – und das 2010? Ob sowas überhaupt noch geht? Ob dieses Album, dieser Frontalangriff auf die von Kaffee gestressten Synapsen, dieses erneut schadenfroh auf den Gräbern der Shoegazing-Generation tanzende Soundkompendium aus dem Hause blunoise, so etwas wie Öffentlichkeit erhält, liegt an der viel beschworenen Offenheit der Medien-Welt 2.0. Zyniker zweifeln jetzt schon. Aber denen gehört angesichts zusammenbrechender Wertsysteme ohnehin die Zukunft.


Carsten Sandkämper | 2011



perteetfracas.org [19/04/2011]

Nicoffeine
»Lighthealer Stalking Flashplayer«


Tous aux abris. Tel pourrait être le mot d'ordre à l'écoute de Lighthealer Stalking Flashplayer, quatrième album du groupe allemand Nicoffeine, trio originaire de Koblenz inconnu jusqu'ici et on se demande comment vu le niveau du bordel affiché. Un disque sans concession pour les tympans et le mal de crâne. Si vous aimez descendre de la vodka cul sec avec les russes de Ussy, que vous voulez que Flying Luttenbachers soit joué pour votre enterrement, que vous vous astiquez sur le dernier Psychic Paramount, vous feriez mieux d'écouter Nicoffeine. Ils font parti de la catégorie mammouths, des noise-makers avec leurs propres critères d'extrémisme et de sauvagerie que le monde musical ne nous envoie heureusement pas trop souvent.

Question de santé publique.
J'espère que vous le sentez bien ce parfum de légèreté parce que Nicoffeine attaque bille en tête et ne lâchera plus l'affaire pendant plus d'une heure. Deux salves courtes pour commencer. Histoire de tâter le terrain et mettre en garde. Du Glazed Baby puissance atomique, énorme coup de massue rythmique, des cris qui lézardent la blitzkrieg et des guitares qui l'éclairent. Tu n'oses déjà plus bouger d'un poil. Le Psychic Paramount, ils le retournent et le fendent en deux. Et le pire est à venir. Pour le troisième titre (Handjobs & Runaways), Nicoffeine sort la scie circulaire et le batteur entre dans l'arène. Ca dévale de partout mais montre surtout que ce n'est pas qu'une brute épaisse. Il impulse un rythme de folie et les onze minutes semblent en paraître trois. Et il n'en a pas fini avec toute l'étendue de son talent. Sur les dix-sept, oui dix-sept minutes, de Bread & Bitter Gloriole (uniquement sur la version CD), il opte pour un jeu beaucoup plus free, tout en touché, ça avance par vague pendant que le guitariste tire des sons stridents et étranges, tiraille ces cordes, imite des animaux tordus, on souffre avec son instrument, le noise-rock frénétique de Nicoffeine prend une tournure malsaine, rampante, la violence n'est plus frontale.

Avant et après, deux morceaux plus respirables. Prügelperser en forme de bol d'air et Proteineache en forme de morceau passable avec un guitariste versant trop dans le psychédélisme et une voix aigue plus ridicule que désagréable. Mais c'est pour mieux repartir et te manger mon enfant. Partyzan vs. Prominent Tongue les remet sur la carte du tendre, celle où on aime manger cru de la chaire fraîche et t'achève par seize, oui seize minutes, de I Always Shine When You Say Nein. Si ça, ça ne ressemble pas à une déclaration d'amour, c'est que j'y connais rien. Faire du bruit c'est facile, à la portée de n'importe quel premier connard venu (non je ne pense pas au guitariste de Psychic Paramount) mais le faire avec une telle maestria, on se sent comme un insecte.

Carambolage de milliers de notes désaxées, de collisions passagèrement mortelles, de variétés d'approche pour toucher le St Graal, effleurer du doigt le noyau central du chaos le plus noble, on a juste envie d'être minuscule.Ca ne sera pas le disque de tous les jours mais c'est une belle vallée de souffrance.


www.perteetfracas.org | SKX (19/04/2011)



Plattentests.de [20/03/2011]

Nicoffeine
»Lighthealer Stalking Flashplayer«

Der Altherrenschock

Was erhält man, wenn man The Jesus Lizard, Helmet, Merzbow, June Of 44, Unsane, Melt Banana, Don Caballero, The Mars Volta, Slayer, Atari Teenage Riot, fünfzig Pfund Rasierklingen und ein paar gut gemeinte Ratschläge in einen Prügelsack packt? Nein, keinen schlecht frisierten Mike Patton. Sondern nach wie vor, immer schon und ausschließlich: Nicoffeine, jenes Ungewitter aus dem Hause BluNoise, das zu "Lighthealer stalking Flashplayer" und einer Tracklist voll versteckter und weniger versteckter Ferkeleien zum dritten Mal seinen (Ahemm) Roarstock auspackt. Da stimmt das Sprichwort: Diese Band prügelt derart schnell und überall, es trifft wahrlich immer den richtigen (Nerv).

"Handjobs & runaways" ist so ein Stück, das sich erstmal auf gut sieben Minuten zwischen Hochgeschwindigkeit und monströs ausgebremsten Ibreaktogethers leerklopfen muss, bevor sich aus all dem Gitarrengeziehe, -geschlage und -gerutsche eine hymnische, all die Kraft überformende Melodie entspinnt. Wie Nicoffeine dahin kommen, wie sehr das Schleudertrauma dadurch ausgesetzt wird, wie frontal der Song schließlich doch noch vor die Wand fährt, um schlussendlich nur noch quietschende kaputte Scharniere und ausgekugelte Vergaserplopps zu produzieren - darin zeigt sich die kompositorische Dichte, die Nicoffeine in ihren Lärm legen.

Der ganz dicke Batzen von "Lighthealer stalking Flashplayer" legt davon bekreischtes Zeugnis ab. Werden die zehn Minuten geknackt, wird es lang und schmutzig. Bleibt es beim Popsongformat, wird es kurz und … schmutzig. Weil bei Nicoffeine die gesamte Strecke donnert und kracht, macht all das wahrlich keinen Unterschied. Geschweige denn Gefangene. Scheiß auch drauf, dass BluNoise-Chef Guido Lucas persönlich nach langjährigem Pegelgeschiebe den Bass übernimmt und auch Jörg A. Schneider zwar neu im Nicoffeine-Team, aber natürlich gar nicht neu im Noiserock-Kosmos ist: Wer tatsächlich meint, in letzter Zeit sei ein fordernderer und zugleich euphorisierenderer Lärm durch die Eingeweide gefegt als Nicoffeines "Ppartyzan vs. prominent tongue", der mag sich mal schön hintanstellen: Den Sack hat er nicht, die Prügel aber schon verdient - wenn wir hier nicht solch hartgekochte Weicheier wären, versteht sich.

Das 17-minütige "Bread & bitter gloriole" klinkt sich gar in den Wahnsinn der Flying Luttenbachers ein, halluziniert wie diese ein wogendes Meer aus rhythmischem Geklöppel und Gezuckel, transformiert deren Credo jedoch zu einem herzhaften "Noise Rock is Free Jazz". Denn in der Tat bewegt sich Soheyl Nassarys Gitarrenspiel genau zwischen dicken Noiseriffs, enervierendem Geräusch, Mathrock-Tappings und Metalanleihen - letzteres allerdings auch eher im Sinne der frühen, weniger hypnotischen, dafür um so psychotischeren Neurosis. Guido Lucas' Bassspiel gerät zu einem all die Wut in seismischem Infraschall erschütternden Derwisch, und Jörg Schneider am Schlagzeug ist ohnehin eine vielarmige Durga, stets kampfbereit, grundechauffiert und gut gelaunt dabei.

Masken, brunftiges Gebrüll und ähnliches Clownsgedöns brauchen Nicoffeine hingegen zu keiner Sekunde. Ihr Tor zur Hölle flimmert, flackert und brennt wie in einem Fiebertraum. Da können diverse Radaubrüder noch so manisch die Köpfe durchs Stop-Motion-Schütteln, die Gitarrensaiten runterstimmen, die Elektronik surren und fiepen lassen oder HART ganz zart zu Ende denken: Das hier versohlt ihnen allen aber mal so was von den Arsch. Denn noch das konservativste Haudrauf kann Leben retten und Welten zerstören, wenn man es nur kompromisslos exekutiert. Trotz des prall gefüllten Prügelsacks sind Nicoffeine eine Band ohne genreübergreifende, klangästhetische oder sonst wie konzeptionelle Sublimierung, sprich: ohne jegliches Arty-farty als Publikumsfänger. Stattdessen: ein einziger, in sich geschlossener, harter Brocken. Verdichtet lediglich aus musikalischem Willen und Können. Wer weniger will, wird sehen, was er davon hat.

 


www.plattentests.de | Tobias Hinrichs



Persona-Non-Grata.de [11/03/2011]

Radio Blau
Die große Wurstplatte – Die kommentierte Playlist:


12. Nicoffeine – Holy Hell Of A Himmel
Knackig, knackig: Die Band um Mastermind Soheyl Nassary, Guido Lucas und Jörg A. Schneider sind sichere Garanten, wenn es um die Zelebrierung von Noise-Rock geht. Da geht einem aufrechten Krawallkopf einfach das Herz auf: Aggressiv, groovy, befreiend. Katharsis a go-go!
Nicoffeine – Lighthealer Stalking Flashplayer (bluNoise)

www.persona-non-grata.de



DE:BUG [01/03/2011]

Nicoffeine
»Lighthealer Stalking Flashplayer«

Der Unterschied zwischen weißem Rauschen und Musik ist laut Presse-Info bei Nicoffeine wesentlich geringer als bei Supertramp. Da ist was dran. Hank Shocklee, Produzent von Public Enemy, soll Musik einmal als “organized noise” bezeichnet haben. Mit Hip Hop haben Nicoffeine gar nichts zu tun, mit Noise, also Krach, jedoch umso mehr. Gitarre, Bass, Schlagzeug und jede Menge Verzerrer sorgen für eine Menge Lärm, der trotz frei improvisierter Basis gern nahezu mathematisch organisiert und vertrackt zur Sache geht. Dem einen Experten wird ihre Musik zu improvisiert sein, dem anderen zu komponiert; auffallend ist auf jeden Fall die Spielfreude, mit der die Beteiligten agieren und das Album dadurch immer spannend halten.

www.de-bug.de | Ausgabe März 2001



Music-Scan [24/01/2011]

Nicoffeine
»Lighthealer Stalking Flashplayer«

Es wird spannend sein, zu beobachten, wie jüngere Hörer-Generationen, die durch sphärischen Post- und Indie-Rock sozialisiert worden sind, auf NICOFFEINE und ihren neuen Longplayer „Lighthealer Stalking Flashplayer“ reagieren. Vom Herangehen an den vertrackten, krachigen Rock-Sound trennen die aktuell angesagten Newcomer-Kombos und die hier antretenden „Old-Schooler“ Welten, was sich in der Wirkung der Songs wider spiegelt. Auch das deutsche Power-Trio agiert progressiv, rhythmisch verspielt und fordernd. Im Fokus stehen dabei allerdings die unbändige Kraft des Rocks, hypnotisches, teils fast nerviges Feedback-Wichsen und ein erbarmungsloses Experimentieren mit Riffs, bis es weh tut. Im Kontext von NICOFFEINE kommen langjährige Erfahrung im Noise-Segment und unstillbare Entdeckungsfreude zusammen, die sich entlang zügelloser, spontaner Krach-Jams miteinander verbinden.

Zwischen 1995 und 2000 fanden die ersten musikalischen Gehversuche des Trios noch unter dem Banner Midian statt. Bandkopf und über die Jahre einzige Konstante im Line-Up ist Sänger und Gitarrist Soheyl Nassary, der seit 2008 vom früheren Les Hommes Qui Wear Espandrillos-Trommler Jörg A. Schneider unterstützt wird. Den Bass schnallt sich seit 2009 BluNoise-Ikone Guido Lucas um, auf dessen Label – wie schon all seine Vorgänger und die Split mit Lude – auch das Viertwerk von NICOFFEINE erscheint. „Lighthealer Stalking Flashplayer“ gleicht einem Trip durch die Untiefen der eigenen Psyche und adressiert allein die Ängste, Phobien und unguten Ahnungen der Hörer. Die Platte trägt nicht dazu bei, die Stimmung aufzuhellen. Das Dreiergespann arbeitet vielmehr hart und erfolgreich daran, genau die entgegen gesetzte Wirkungsrichtung einzuschlagen und einen bitteren Downer zu verabreichen.

www.music-scan.de | Arne | 24.01.2011



Electrolurch [03/03/2011]

Nicoffeine
»Lighthealer Stalking Flashplayer«

Abseits gängiger Hörmuster wildern Nicoffeine mit ihrem aktuellen Tonträger in den Tiefen der kakophonischen Krach-Avantgarde.

“Lighthealer Stalking Flashplayer” ist kein einfach konsumierbares Album, wenngleich davon auszugehen ist, dass die Protagonisten dieses Werks auch nicht die Intention hatten, hier Easy-Listening zu produzieren. Vertrackt und disharmonisch zeigen sich die Stücke, die voller roher Energie und spielerischem Freigeist stecken. Nicht immer erschließt sich einem direkt ein roter Faden in diesem Soundgebräu, welches zunächst eher an Chaos, denn an Kontrolle erinnert. Beschäftigt man sich aber näher mit dem Dargebotenen, so vermag man doch mehr Struktur zu erkennen, als man zunächst vermutet hatte. Kaufhausmusik wird trotzdem nicht draus, soviel ist schon mal klar!

Für die Allgemeinheit sicherlich so interessant wie der berühmte Sack Mehl, der irgendwo in China umfällt. Für aufgeschlossene Musiknerds, die sich nicht nur berieseln lassen wollen und ein zünftiges Maß an Krach und Chaos zu schätzen wissen aber durchaus mal ein Reinhören wert.


www.elektrolurch.com | Jens | 3. März 2011

 

Westzeit [01/03/2011]

Nicoffeine
»Lighthealer Stalking Flashplayer«

Nicoffeine anno 2011 sind wohl intensiver denn je. Nun ja, im Genre Noise gehört das seit jeher dazu, aber Nicoffeine stecken mit ihrem aktuellen Album die Grenzen mitunter neu ab. Die ungeheuren Kraftausbrüche liegen tonnenschwer in Magen und Gehörgang, die schiere Urgewalt gereicht zuweilen höheren Weihen und läßt die Grenzen zwischen einer harten Rock-Spielart und brutaler Klangkunst verschwimmen.

Zudem vermag das Werk mit vielen Finessen und kleinen Reminiszenzen aufzuwarten, die den Hörer in eine vertraute Welt entführen. Ein paar früh-Voivoid´sche anleihen hier, ungeahnte Sphären da, krachlederne Ruhepausen mit erdigem Charakter, rhythmische Noise-Mantras und feudale Liebeserklärungen an einzelne Frequenzgänge machen „Lighthealer Stalking Flashplayer“ zu einem neuen Standard. 5 von 5 Punkten.


www.westzeit.de | Axel Nothen | Ausgabe März 2011

 

Flight13 [25/02/2011]

Nicoffeine
»Lighthealer Stalking Flashplayer«

Weisses, dickes Vinyl, sehr schönes Cover + MP3-Code! Holy hell of a himmel! Wenn man seine Meerschweinchen oder den Wellensittich daheim in den Suizid schicken möchte, ist auch das neue Album von Nicoffeine eine gute Wahl. Dissonanzen sind auch im 16. Bandjahr genauso an der Tagesordnung wie zielloses Experimentieren. Die Eckpfeiler heissen NoiseRock, DroneRock, PostRock, KrautRock und ProgressiveRock, Gitarrist, Soundtüftler und Bandchef Soheyl Nassary kennt seine Grenzen und freut sich jedes Mal wie ein kleines Kind, wenn er diese überschreiten kann, so dass er sogar bei zwei Songs zum Mikro greift. Man muss bei dem Gemetzel an Unsane denken, nur das Blut fehlt aufm Cover. Derzeitige Mitrseiter hier sind Les Hommes Qui Wear Espandrillos-Schlagzeuger Jörg A. Schneider und Guido Lucas am Bass. *BluNoise


www.flight13.com

 

Alternative Nation [24/02/2011]

Nicoffeine
»Lighthealer Stalking Flashplayer«

Schrill und brachial rumort es. Dem Instrumentarium wird abverlangt, was gerade noch zulässig ist. Nahe am Rand des Kollapses, des Zusammenbrechens. Untergang aufgrund Überbeanspruchung steht bevor. Die Auflösung durch Zerstörung kann jeden Moment beginnen. Heulend, kreischend, dröhnend, quietschend, fiepend brüllen die Saiteninstrumente aus den Boxen. Das Schlagzeug ist endlich entfesselt worden, darf toben, ausbrechen, befreit galoppieren. Inmitten des wahnwitzigen Rumorens. Nicoffeine dreht voll auf, beinahe durch.

Scheppernde Becken, kratzende Basstöne, aufschreiende Gitarrenfiguren. Unaufhaltsam prescht Lärmmusik aus den Lautsprechern. Der Radau etabliert Freiheit. Grenzen verschwimmen in Kakophonie. Aber auch in strengen Krachbündelungen. Akut, wie immer, gemahnt der rabiate Lärm an seine niemals enden wollende Zeitgemäßheit. Vieles klingt an, das Caspar Brötzmann Massaker, Can, Neubauten. Extremmusik. Es fällt schwer, einen Schritt zurückzutreten, um das Geschehen zu beschreiben oder gar hinlänglich zu umschreiben. Diese brutalen, schamanistischen Repetitionsstücke umfassen Alles und eben auch das Nichts. Sind freie Improvisation und Reduktion auf eine Vision. Unabwendbar ist ihre Dringlichkeit, treibend, gewaltig, rasend, lautstark, aggressiv. Ein Ereignis: Nicoffeine.

 

www.alternativenation.de | Tobias Stalling | 24.2.2011

 

Crazewire [23/02/2011]

Nicoffeine
»Lighthealer Stalking Flashplayer«

Was muss das für ein Heidenspass sein!? Guido Lucas (kennt man, oder?), Soheyl Nassary und Jörg A. Schneider kloppen mit vitalem Elan auf ihre hoffentlich gut versicherten Instrumente. Das alles dauert eine gute Stunde. Wer also Stress mit lärmempfindlichen Nachbarn hat oder seiner Freundin schon immer ein romantisches Versöhnungsmixtape schenken wollte, kann getrost die Finger von dieser Platte lassen. Alle anderen dürfen zuhören, wie Nicoffeine mit ihrem neuen Album „Lighthealer Stalking Flashplayer“ miese Laune zum guten Spiel machen. Und zu was für einem!

Das Gros der Songs basiert stark auf freier Improvisation. Die Gitarren holen, was die Effekte betrifft, so ziemlich alles aus dem Sack, was ein Musikalienhändler anzubieten hätte und zeitweise kommt es zu unendlichen Überlagerungen von Klangflächen, die hier und da von Drones und Krach gebrochen werden. Dass bei all der Anti-Aggressions-Therapie die drei Herren ihren Sinn für Humor nicht verloren haben, zeigen die Songtitel: „Holy Hell Of A Himmel“, „I Always Shine When You Say Nein“ oder „Prügelperser“. Letzterer Song wird gegen Ende förmlich zum Programm. So düster und schlechtgelaunt der Grundtenor der Platte scheint, so vitaler und humorvoller wirkt sie, je öfter sie auf einen hereinprasst. Der unermessliche Spieltrieb des Trios mag als solcher viele Gemüter überfordern. Aber darum geht es.

Als wäre Ornette Coleman für ein Wochenende mit Naked City und McLusky in ein verdrecktes Irrenhaus im europäischen Osten eingesperrt. Der Kassettenrekorder auf dem Boden nimmt eiskalt alles mit. So ähnlich geht „Lighthealer Stalking Flashplayer“, das aktuelle Produkt des nunmehr ständig fluktierenden Line-Ups von Nicoffeine. Entspannter ist man hiernach sicher nicht, ja, man möchte doch glatt die Netto-Kassiererin vermöbeln, weil es mal wieder alles zu lange dauert! (Kennt man auch, oder?) Für diese kostengünstige Psychoanalyse sollte man Nicoffeine schon jetzt dankbar sein. Um deutlich zu werden: die Platte eckt an, wer intelligente, kranke, Noise-Improvisationen mag, möge kaufen und schweigen. „Kompromisslos, No Genre please!“, sagen die Can-Hörer dieser Tage. „Teufelsmusik! Wer soll das ertragen?“, rufen die 40-jährigen Reamonn-Hörer jener Tage.

Was auch immer die Unken rufen mögen, die Platte ist alles, nur eins nicht: Indie-Rock.



www.crazewire.de

 

Vampster [20/02/2011]

Nicoffeine
»Lighthealer Stalking Flashplayer«

Meine Meerschweinchen hüpfen ganz aufgeregt durch das Wohnzimmer, sie sind sichtlich irritiert von "Lighthealer Stalking Flashplayer". Aber mir geht es ja nicht viel anders. Immerhin, NICOFFEINE unterstützen die Wirkung des Morgenkaffees, ob sie auch die Zigarette ersetzen, kann ich nicht sagen. Jedenfalls ist diese gut einstündige Geduldsübung ein echter Wachmacher, wie dieser Wachzustand dann allerdings aussieht, vermag ich nicht zu garantieren. AmpRep-Erfahrene werden vermutlich voller Zuversicht und Freude den Tag beginnen und was der Rest der Welt davon hält, naja, probier es mit deinem Bewährungshelfer halt mal aus.

Nicht nur die Titel der Songs des obskuren Trios NICOFFEINE sind sehr geschmackvoll, die Songs tun es ihnen gleich. Manchmal rocken NICOFFEINE gemütlich-dissonant vor sich hin und spielen mit den Standards des Noiserocks wie eine Katze mit der Maus, manchmal verlieren sie alle Hemmungen und experimentieren ziellos und konsequent vor sich hin, das stinkt stellenweise verdächtig nach Krautrock. Umso beeindruckender ist es, dass nicht nur die kurzen, markanten, radikalen Momente wie "Holy Hell Of A Himmel", "MILF & Honey" und "Proteinache Ppartyzan vs. Prominent Tongue" ordentlich fetzen, auch aus den langen Stücken "Handjobs & Runaways", sowie dem grandiosen Finale "I Always Shine When You Say Nein" entspringen hervorragende, schon fast epische Momente, die dann einen Augenblick an NICOFFEINE zweifeln lassen - sowas können die auch?

Jetzt ist es Zeit hinter NICOFFEINE zu blicken, die mittlerweile seit sechzehn Jahren aktiv sind, wenn du die Vorgängerband MIDIAN einrechnest. Wer weiß, vielleicht hatten sie schon für den ersten Beischlaf deiner großen Schwester den Soundtrack parat. Das würde auch erklären, warum deine Schwester so komisch ist, und warum NICOFFEINE den Lärm auch irgendwie beherrschen - "Prügelperser" beweist das, auch wenn es keine Chance gibt, dieses Stück zu begreifen. Sie sind alte Hasen, Gitarrist, Soundtüftler und Bandchef Soheyl Nassary kennt seine Grenzen und freut sich jedes Mal wie ein kleines Kind, wenn er diese überschreiten kann, so dass er sogar bei zwei Songs zum Mikro greift. Seine beiden neuesten Mitstreiter Guido Lucas kennt man durch seine zehntausend anderen Bands, inklusive SCUMBUCKET und seine hervorragende Produzententätigkeiten. Und dass Schlagzeuger Jörg A. Schneider nicht erst seit gestern die Sticks in der Hand hat, machen die vielen rhythmischen, progressiven und doch beherzten Grooves mehr als deutlich.

Alle drei zusammen formieren eine Einheit, die - pardon - auf alles scheißt. Die sich austobt, die sich einen Dreck um die anderen kümmert, die sich nun diesem akustischem Stress ausgesetzt sieht, die aber doch immer wieder Zugeständnisse an Harmonien macht, wenn auch nur homöopathisch, zwischen dem ganzen Gedröhne und den Dissonanzen. Hervorragend von NICOFFEINE selbst produziert, brummt und scharrt sich diese dauerverzerrte Progressive-Kraut-Noiserock-Herausforderung ins Hirn und auch wenn "Lighthealer Stalking Flashplayer" teilweise unhörbar ist, es macht irgendwie ziemlich Spaß.

 

www.vampster.com

SOUTHERN RECORDS GERMANY [18/02/2011]

Nicoffeine
»Lighthealer Stalking Flashplayer«

Die Geschwindigkeit, mit der Nicoffeine dem Kosmos greifbarer Kategorien entflieht, ist atemberaubend. Getrieben von Impulsen, dem Drang nach vorne und einer  klaren Vorstellung vom entschieden Anderen.

Den Piloten, Guido Lucas, Jörg Schneider und Soheyl Nassary, würde man im echten Leben nicht für eine Minute den Steuerknüppel überlassen. Zu abgründig, zu fordernd scheint der Kurs, auf dem sie in die Sonne stürzen. Ein kosmischer Trip, der im Wortsinne zu den Roots des Krautrock zeigt, die hier mehr als durchscheinen. Amon Düül II und Can hätten ihre Freude dran. Wenn sie unsere Zeit verstünden. Und den Krach ertragen könnten.

Nicoffeine 2010 wurzelt in Vorstellungen von musikalischer Entäußerung, der hypnotischen Sogwirkung von sich frei entfaltenden Patterns und Clustern. Zelebriert wird das Ganze mit den Mitteln von heute, der verzerrten Lautstärke der Welt jenseits des Milleniums und der oftmals abstoßend anonymen Ästhetik des Popzeitalters.

Ihr Sound ist brutal, magnetisch und schroff, nie anbiedernd oder offensichtlich melodiös. Kompromisslos für die einen, unhörbar für die anderen. Polarisierung durch Musik – und das 2011? Ob sowas überhaupt noch geht? Ob dieses Album, dieser Frontalangriff auf die von Kaffee gestressten Synapsen, dieses erneut schadenfroh auf den Gräbern der Shoegazing-Generation tanzende Soundkompendium aus dem Hause blunoise, so etwas wie Öffentlichkeit erhält, liegt an der viel beschworenen Offenheit der Medien-Welt. Also auch ein Stück an euch!

www.southernrecords.de

 

MUSIKANSICH.DE [18/02/2011]

Nicoffeine
»Lighthealer Stalking Flashplayer«

Holla die Waldfee! Nicoffeine haben sämtliche Regeln der Musiktheorie abgemurkst und tanzen fröhlich auf deren Grab. Kompromisslos und verstörend sind zwei Attribute, die einem beim „Genuss“ von Lighthealer stalking flashplayer sofort durch den Kopf schießen. Dass hier gewaltig was nicht stimmen kann, in den Köpfen der drei hemmungslos lärmenden Personen, sieht man schon an den schrägen Titeln der acht enthaltenen Stücke.

Lieder möchte ich diese gar nicht mal nennen. Denn hier muss man schon ein großes Faible für schiefe Töne mitbringen, um das Ganze als Musik und nicht nur als weißes Rauschen zu erkennen. Noiserock, jawohl, das ist noch die treffendste Bezeichnung für das, was Bandgründer Soheyl Nassary, Jörg A. Schneider und Szene-Koryphäe und BluNoise-Inhaber Guido Lucas hier fabrizieren. Ohne Rücksicht auf Verluste hämmert das Trio ekstatisch auf seine Instrumente ein. Hier fiept es, hier brummt es und überhaupt ist der Sound hochgradig brutal. Aufgrund seiner Konsequenz schon fast auch hypnotisch. Eine improvisiert zu scheinende, regelrechte Lärmsymphonie stürzt da auf den Hörer herein.

Hört man sich diese 65 Minuten wirklich am Stück an, braucht man anschließend entweder ne gute Therapie oder man ist sowieso schon total durch. Mit viel Sympathie würde man das Ganze wohl auch als kathartisch bezeichnen. Wo ähnliche Bands wie zum Beispiel TODD oder Don Vito noch recht geradlinig rocken, ziehen Nicoffeine alles in die Breite. Stellenweise gewinnen ihre Stücke schon ein regelrechtes Postrockformat. Manch einer will dabei sogar Wurzeln im Krautrock-Metier heraushören. Amon Düül II und Can werden hier genannt. Diese beiden werden ja gerne als Kunst angesehen und es gibt bestimmt auch ein paar, die das im Falle von Nicoffeine machen. Aber wahrscheinlich lacht sich die Band selbst ins Fäustchen, wenn das hier jemand tut. Das alles einzuspielen war bestimmt ein Mordspaß, aber wer das schlussendlich hören soll, das frage ich mich wirklich! Aufgrund seines speziellen Charakters entzieht sich dieses Opus von vorne herein jeglicher objektiver Bewertung…


www.musikansich.de
// Mario Karl  // 18.02.2011

Elementary Revolt [31/12/2010]

Nicoffeine
»Admiring Those Artholes«

Wow, no prisoners are made here, listening habits aside and a bulk ..... on song structures, where, as a listener you are already happy, who finds the band a common end. Otherwise, the backing band shifts and rumbles and shrieks, sighs and shimmers in the foreground the guitar, and sometimes are added bestial scream. Noise is written with the great, and the complete album requires the listener from a lot of concentration and attention. For Nicoffeine takes time and rest, then opens up a unique world of sound, and you have a chance to open up the density, nerve anything could. And at home, the Koblenz course the best German Noise label * Blue Noise - brute!


www.elementaryrevolt.blogspot.com


FLIGHT13 [24/03/2008]

Nicoffeine
»Admiring Those Artholes«

Wow, hier werden keine Gefangenen gemacht, Hörgewohnheiten beiseite geschoben und ein Sch..... auf Songstrukturen gegeben, als Hörer ist man schon froh, wen die Band ein gemeinsames Ende findet. Ansonsten schiebt und grollt die Backing band und kreischt, seufzt und flirrt die Gitarre im Vordergrund; manchmal kommen bestialische Schrei hinzu. Noise wird hier noch gross-geschrieben, und das komplette Album verlangt dem Hörer einiges an Konzentration und Aufmerksamkeit ab. Für Nicoffeine braucht man Zeit und Ruhe, dann eröffnen sich einem die einzigartigen Klangwelten, und man hat eine Chance die Dichte zu erschliessen, alles andere könnte nerven. Und daheim sind die Koblenzer natürlich auf dem besten deutschen Noise Label *Blue Noise - Brachial!

www.flight13.de



SATT [24/03/2008]

Nicoffeine
»Admiring Those Artholes«

Dem Märzen wohnte auch schon mehr Verheißung inne. Shakespeares Brutus hatte recht, der warme Tag ists, der die Natter zeugt. Die tritt am liebsten grüppchenweise auf, penetrant gutgelaunt und die Winterhaut in die fahle Sonne haltend. Alle Welt soll sehen, dass wir uns noch auswärtiges Kaffeetrinken leisten können. Deshalb frisch auf die Stühle und breit an die Tische gepflanzt, draußen vor der Tür bei maximal 10 Grad über Null. Dann hat bis heute kein Radfahrer kapiert, dass er oder sie auf dem Gehweg partout nichts verloren hat. Wie zum Hohn stellen Linkin Park ihre Tour unter das Motto »Projekt Revolution«.

Und Roland Koch musste sich noch immer keine neuen Visitenkarten drucken lassen. Soll man gähnen? Soll man gehen? Oder einfach zu Hause bleiben, mit Musik, die einer gewissen Übellaunigkeit zu ihrem Recht verhilft und zum guten Ende für befreites Lächeln sorgt? Wer sich für die letzte Variante entscheidet, zu ihr sei dann am ehesten geraten, sollte Nicoffeine aus Koblenz, Soheyl Nassary, Gesang und Gitarre, Christian Jung, Bass, Jörg A. Schneider, Norman Achenbach, Schlagzeug und einem Menschen, der sich hinter dem Pseudonym The Errorist verbirgt, 47 Minuten Gehör schenken. Sie sind Fans von King Crimson und The Birthday Party. Plagiatoren sind sie zum Glück keine. Wer unbedingt auf Vergleiche aus ist, sollte sich eher bei den auch nicht mehr ganz neuen, herrlich-verrückten Metallern umtun, die auf Southern Lord die Trommelfelle attackieren: Boris, Earth und Sunn O))), Langhaarige und Rauschebärte, für die Black Sabbath und Sun Ra kein Widerspruch sind. Ältere Semester mögen sich noch an die Hamburger vom Rossburger Report erinnern, die in den Neunzigern mit zwölf Gitarren, einem Bass und zwei Schlagzeugerinnen progressivst lärmten und einen dieser unvergesslich-lauten Abende mit Caspar Brötzmann im Berliner Tacheles eröffneten. Ein Jahr, nachdem Brötzmann junior sein bis jetzt letztes Album »Mute Massaker« (1999) veröffentlichte, haben sich Nicoffeine gegründet.

»Admiring Those Artholes« ist ihre fünfte, zählt man die »Pornoise EP« der Vorgängerband Midian hinzu, ihre sechste Platte, wieder erschienen auf Blue Noise Records, Guido Lucas Label mit dem stilsicheren Logo, das uns seit längerem mit schillernden Klängen zwischen Experiment, Kraut und Psychedelic versorgt. Das Wortspiel im Titel steht nicht umsonst da. Ganz klar ist das Kunstmusik, zum Glück aber solche, mit der man nicht unbedingt schicke Berlin-Mitte-Galerien eröffnen sollte. Es sei denn, um den anwesenden Käufern zu signalisieren, dass es wirklich nur ihr Geld ist, was ihnen Eintritt verschafft. Mit einer aufs Böseste verzerrten Gitarre fängt das Album an, mit Knirschen und Brummen aus den Verstärkern endet es. Dazwischen wehen Fetzen von Gesang durch das Klanginferno, sorgt man sich um die Haltbarkeit des Schlagzeugs und stellt schon mal vorsorglich zwei, drei Bier für die Nachbarn kalt, wenn man ihr Klingeln denn hören könnte. »Admiring Those Artholes« ist eine Platte, die aufs Schönste für Platz im Kopf sorgt. Von mir aus darf es jetzt auch Frühling werden.

www.satt.org // Robert Mießner // 24.03.08



PLATTENTESTS [09/03/2008]

Nicoffeine
»Admiring Those Artholes«

Trommelfeuer. - Stell Dir vor, Du bist eine Comic-Figur. Und zwar eine der klassischen, aus den Warner-Bros-Cartoons. Stell Dir vor, es ist mal wieder niemand da, der Dir rät: "Schauen sie lieber nicht in diesen Auspuff." Stell Dir vor, wie Du Dich tief in die Hüfte beugst, eine Hand rätselnd zur Kinnlade führst, das linke Auge schließt. Wie Dein dezent-charmanter Sprachfehler (ein Lispeln vielleicht oder Karottenscheiben zwischen den Hauern, lustigerdings und bezeichnenderweis) gerade noch ein argwöhnendes "Also ich weiß nicht recht" hervorgluckst.

Bevor der Hahn quadratkilometerweit aufgerissen wird. Feuer spuckt. Haare, Haut, Zahnfleisch gar, nach hinten brennt. Stell Dir vor, wie Du dann dastehst, die Pose gehalten, der Blick hingegen erstaunt (untertrieben) und der Wille gebrochen (leider wahr). Kannst Du nicht? Dann erst Recht: Asche auf Dein Haupt. Nicoffeine, jener Noiserock-Bolide aus dem Hause Blunoise, nimmt mit "Admiring those artholes" seinen dritten Anlauf. Und, wie immer: Man funkt am besten bereits Tage vorher schon mal vorsorglich S.O.S. Ohrfeigen, Arschtritte, Nackenschläge - "Admiring those artholes" verteilt all das im Sekundentakt. Man könnte beinahe glauben, gerade verprügelt zu werden. Es quietscht, es kracht, es brüllt Unverständliches, es schlägt wild um sich, es wummert von unten rauf bis in die Haarspitzen, lässt die Darmzotteln erzittern. In all seinen Berserker-Momenten hat "Admiring those artholes" beinahe die zerstörerische Energie der Louisviller Math-Rock-Heroen Rodan. Und auch sonst ist die Sprungweite zwischen Noise-, Math- und Post-Rock für Nicoffeine merklich geschrumpft. Was Mogwai teils in den Outros ihrer Songs ausrichten (erinnert sei an das herrlich kompromisslose "My father, my king"), das walzt etwa "Vanity dear rarity" auf 20 Minuten zum Grundkonzept platt.

Von Melancholie und ihren Spannungsberechnungen haben Nicoffeine hingegen nur vom Draufspucken was gehört. Drummer Norman Achenbach - mittlerweile ersetzt durch Jörg A. Schneider (Les Hommes Qui Wear Espandrillos, Gaffa) - hat neben Mastermind Sohyel Nassary - der in Web und Video seit Jahren auch den Look von blunoise mitgestaltet - und Bassist Christian Jung hier endlich wieder Freispiel, was das exzellente Können dieses Ausnahmeschlagzeugers in einen wahren Orkan verwandelt.. Dass Guido Lucas hinter den Reglern die Stimmung genüsslich weiter anheizt, sollte hingegen selbstverständlich sein. "Admiring those artholes" platzt andauernd aus allen Nähten, allerdings ist bei all dem Budenzauber und Trommelfeuer jeder Snareschlag, jedes noch so kurze Feedback wohlgesetzt und arrangiert. Gespielte Uferlosigkeit, die sich nie auch nur für fünf Sekunden zurückhält, aber den ganzen Lärm auch als fest und eng sitzendes Korsett nutzt. Wer Krach generell nicht vertragen kann, der ist hier von vorn herein nicht eingeladen. Alle anderen können sich jedoch über dem immer noch ausgestellten Entenpodex schon mal das qualmende Näschen blasen. Die Pose weiter halten, das Taschentuch flattern, den Luftstrom hingegen geradewegs ins Gehirn schießen lassen: Druckausgleich, bitte jetzt! (7/10)

www.plattentests.de // Tobias Hinrichs // 09.03.08


OX-FANZINE [01/03/2008]

Nicoffeine
»Admiring Those Artholes«

NICOFFEINE knüpfen mit ihrem dritten Album nahtlos an das an, was sie schon auf Vorgängern wie "Savant Lies Away From Home", als ich zum ersten Mal auf sie gestoßen bin, bis zur Perfektion zelebriert haben: In der Tradition des Blunoise-Sounds und einer Sparte, die ich jetzt einmal wage, als avantgarditischen Gitarren-Krach zu titulieren, irgendwo zwischen den MELVINS und NEUROSIS, spielen sie teils schleppenden, teils hektischen Noise-Rock, der mal zu schnellen und erstaunlich kurzen Songs führt (immerhin drei der sechs Songs sprengen nicht die Vier-Minuten-Grenze), mal zu nachgerade epischen (zwölf beziehungsweise neunzehn Minuten Länge) Stücken führt, in den munter dem Gitarrenfeedback und dem Psychedelic Rock gefrönt wird, Melodien endlos lange breit gewalzt und hörbar zermalmt werden und all das mit einem wunderbar virtuosen, aufwühlenden und treibenden Schlagzeug unterlegt wird. Eine Musik, die im Zusammenhang mit DSE mal jemand, ich glaube es war ein Autor des Roccos-Adventure-Fanzines, als "Hirnbolzen" bezeichnet hat. Auf voller Lautstärke unerträglich, aber auch unerträglich schön. (8)

Ox-Fanzine // Chris Wilpert // Ausgabe #76



VISIONS [01/03/2008]

Nicoffeine
»Admiring Those Artholes«

Was ist ein Arthole? Ein Rüpel der Kunst oder ein Loch in ihrem Gefüge? Freigeistiger Noise, sturköpfig und extrem, aber gitarrendominiert. - Das sollte man betonen. Schließlich gibt es noch radikaleres da draußen. Elektrokrach. Zwölftonmusik. Merzbow. Nicoffeine kennen das wahrscheinlich alles und haben zudem den Geist der improvisierten Musik aufgesogen. Es würde nicht wundern, wenn bei ihnen zur Pause John Zorn genauso aufgelegt würde wie die Big Band aus Fantomas und Melvins. Sie vertrauen auf den Lärm der Gitarren und haben immer noch den Rock als Basis, auch wenn sie ihn zerstückeln und dabei eine zähflüssige, spröde Version von Chaoscore auflegen, der es weder um virtuoses Brustgetommel noch um Testosteronbelege geht.

Anstrengendes, gnadenloses Gehacke dominiert die Flanken dieses Albums, doch sein fast zwanzigminütiges Zentrum namens "Vanity Dear Rarity" erlaubt sich vergleichsweise zugängliche Züge und weckt sogar Erinnerungen an Noise- und Postrock-Hybride wie Isis oder Long Distance Calling - bereinigt von jeder umarmenden Wärme, wie man unbedingt dazusagen muss.

Trotzdem: Es sind diese Momente fast "klassischer" Lärmstimmungsmacher, die Nicoffeine davor bewahren, reine "Artholes" im Sinne von kalter Kopfkunst zu sein. Und es sind die bei aller Improvisation nachvollziehbaren, phasenweise rauschhaften Rhythmen, die dieses Album noch in der Welt des Rocks halten, auch wenn es seine Krallen ständig durch die musikalischen "Artholes" in die Paralellwelten der Avantgarde streckt. (8/12)

Visions // Oliver Uschmann // Nr.180 März 2008


GAESTELISTE [15/02/2008]

Nicoffeine
»Admiring Those Artholes«

Amphetamin fehlt noch im Bandnamen - ansonsten ist diese Scheibe praktisch selbsterklärend. Auf ihrem dritten Album machen die Krach-Artrocker nämlich genau das: Instrumentellen Artrock (so in der brutalstmöglichen King Crimson-Variante) - aber weniger strukturiert, da spontan, überlaut und live im Studio eingespielt und mit wesentlich mehr soundmäßigem Störfeuer (es gibt gar einen Fachmann für Soundscapes in der Band) - vor allen Dingen aber wild und ungezügelt. Als in musikalische Form gebrachter überlanger Wutausbruch ist das Ganze nachzuvollziehen - aber nicht unbedingt zu verstehen:
Es muss ja schon geschmerzt haben, diesen mörderischen Urschrei einzuspielen - geschweige denn sich nachher durch Zuhören damit auseinanderzusetzen.

Als Außenstehender bleibt man da eher kopfschüttelnd und verwirrt zurück und fragt sich, wer a) Geld dafür ausgibt, solcherlei in durchaus ansprechendem künstlerischen Gewand zu veröffentlichen und wer b) Geld dafür ausgeben soll, ebendies käuflich zu erwerben. Das muss ganz einfach Kunst sein.

www.gaesteliste.de // Ullrich Maurer // 15.02.08



TITEL-MAGAZIN [15/02/2008]

Nicoffeine
»Admiring Those Artholes«

Gepflegter Krach kommt nie aus der Mode. Nicoffeine aus Koblenz, ein Projekt des Designers Soheyl Nassary, der hier wie auch bei den bisherigen Platten das Coverartwork selbst entworfen hat, verschreiben sich der hochmanierierten Gitarrenmusik, die auf den ersten Blick wie improvisiert wirkt, in Wirklichkeit aber äußerst klaren Arrangements folgt. Außerdem kann man damit wunderbar die Schwiegermutter erschrecken, denn es werden hohe Distortionwerte erreicht, und schnöde Harmonien sucht man hier sowieso vergebens. Mögen oder gar bewundern muss man diese Artholes natürlich nicht. Aber ihnen ein aufmerksames Ohr leihen in Zeiten der akustischen Reizüberflutung, das sollte man schon. Man könnte mit angenehmen Aha-Erlebnissen belohnt werden.

www.titel-magazin.com // Tina Manske // 15.02.08


HURRICANEBAR [12/02/2008]

Nicoffeine
»Admiring Those Artholes«

Erster Höreindruck: Heilige Scheiße. Was ist das? Zweiter Höreindruck: Heilige Scheiße. Was ist das denn für ein geiles Zeugs? Dritter Höreindruck: Heilige Scheiße. Das ist doch nur noch krank! Alle auf Melodien oder auch nur in die Richtung gehende Musik stehenden bitte nicht mehr weiterlesen. Und erst gar nicht in die Versuchung kommen in Admiring Those Artholes reinzuhören. Für diejenigen bedeutet Nicoffeine nämlich den reinsten Angriff auf die Ohren inklusive anschließendem Nervenzusammenbruch. Wer aber auf solche abgefahrenen Sachen wie Melvins oder Neurosis steht, für den ist diese Platte ein absolutes Muss. Über alle Regeln der Musik setzt sich hier Seheyl Nassary, der Kopf hinter Nicoofeine, hinweg. Ohne Kompromisse setzt er seine Gedanken um, schiebt Gitarrenriffs über Gitarrenriffs über Gitarrenriffs. Und wenn dann mal jemand singt wie bei yoko Mono, pardon, schreit, dann klingt es nicht wirklich wie das Zwitschern der Nachtigall. Eher wie ein abgestochenes Stück Etwas. Zusammen hört es sich wie schon gesagt sehr sehr krank an. Aber auch geil weil unkonventionell und mit den gewissen L.M.A.A.-Gefühl.

Mal so richtig wie ein Schlag in die Fresse aller Harmoniebedürftigen. Ich nenne das ganze jetzt mal einfach Chaos-Post-Krach-Rock. Auch wenn es so erscheinen mag, als ob Nassary hier nur improvisieren würde sind alle sechs Lieder auf Admiring Those Artholes fein säuberlich durchkomponiert worden. Sechs Lieder in knapp 48 Minuten, davon eins mit über 19 Minuten und das kürzeste mit 2:23 Minuten sprechen eine eindeutige Sprache. Hier wusste einer was er macht. Aufgenommen hat Nassary sein drittes Album zusammen mit Guido Lucas. Zwischen den beiden scheint die Chemie zu stimmen, wobei der gute Guido ja auch einen an der Klatsche hat. Im positiven Sinne versteht sich. Nassary selbst ist nicht nur der Kopf von Nicoffeine sondern nebenbei auch noch Designkünstler. So hat er auch das Artwork seines neuen Werkes selbst entworfen. Ein total durchgeknallter Typ! Ein total durchgeknalltes Album! (8/12)

www.hurricanebar.de // Thomas Stein // 12.02.08

VICE [01/02/2008]

Nicoffeine
»Admiring Those Artholes«

Ungefähr zehn Minuten dauert es, dann hat dieser Noise-Presslufthammer sämtliche festgefahrenen Hörgewohnheiten zertrümmert und man fällt in einen tranceartigen Schwebezustand. Sodann wirkt die brutale Feedback-Orgie ebenso wunderbar entspannend wie etwa Miles Davis´ "In A Silent Way"-Sessions. Das Ganze funktioniert also ähnlich wie diese beknackten esoterischen 3D-Bilder aus den 90ern, nur dass in diesem Fall das Resultat tatsächlich Spaß macht. (8/10)

Vice // Andreas Richter // Nr.02 Februar 2008



TRIGGERFISH [28/01/2008]

Nicoffeine
»Admiring Those Artholes«

Sound noir - Sinniert man über die Speerspitzen des gepflegten Krachs, fallen schnell Namen wie Blood Brothers, Isis oder Dillinger Escape Plan. Während die Avantgardisten aus Übersee in ihrer Heimat teilweise für gut besuchte Clubs sorgen, fristen Genre-Vertreter hierzulande ein absolutes Nischendasein.Ähnlich wie ihre amerikanischen Pendants, frönen auch die aus Koblenz stammenden und bereits 1995 gegründeten NICOFFEINE kakophonischen Soundgewittern und Hörsturz provozierenden Stakkato-Salven. Abseits poppiger Songstrukturen und jeglicher Konventionalität, legen sie mit ihrer aktuellen LP "Admiring Those Artholes" ein Werk vor, das eine sehr spezielle Zielgruppe anspricht und sicherlich nicht bei einmaligem Hören komplett erfasst werden kann. Verstörend und zugleich beeindruckend, präsentiert sich ihre Ästhetisierung des Krachs wie ein wildes Kaleidoskop, zusammengeflickt aus tief wummernden Gitarren, irritierenden Tempi-Wechseln und düsteren Klangteppichen, die den Hörer auf eine konfus-surreale Ebene hieven.

Dabei liegt das Harmoniegespür des Quartetts sehr tief unter der Oberfläche verborgen. Meist überwiegen dissonante Gitarren-Figuren, bizarre Störgeräusche und undefinierbare Sound-Fragmente, die zusammen ein atmosphärisch beklemmendes Klang-Mosaik ergeben, welches nie nur die bloße Summe seiner Teile darstellt. Fast komplett instrumental gehalten, wird der Gesang nur sehr spärlich, oft verfremdet eingesetzt und dient eher der Intensivierung des dargebotenen Chaos', als dass er konkrete Geschichten transportieren würde. Die beiden Monumental-Tracks "Vanity Dear Rarity" und "City Of R'N'R" beide die Zehn-Minuten-Marke sprengend stellen zwei Seiten einer Medaille dar: Ersterer mäandert durch vergleichsweise ruhige, sphärische Gefilde, deren Ruhe nur partiell von verzerrten Vocals gestört wird, die dezent an Underworld's "Born Slippy" erinnern . In zweiterem dominieren Hektik, stolpernde Snare-Attacken und markerschütterndes Gekeife, das sich mit quietschenden Rückkopplungen zu einem ekstatischen Noise-Manifest konglomeriert und einen gen Ende mit kryptischen Roboterlauten konsterniert zurücklässt.

Man könnte hier von Konzept sprechen. Ähnlich wie Thrice mit ihrem Alchemy Index jüngst den Kontrast der Elemente Wasser und Feuer vertonten, scheinen auch NICOFFEINE anhand ihrer beiden Epen zwei extreme Zustände darstellen zu wollen. Besonders "Vanity..." sorgt mit heulenden Gitarren-Leads für schaurige Stimmung, lässt ein dunkles Meer unzähliger Strömungen vorm geistigen Auge erscheinen, aus dessen Fängen es kein Entrinnen gibt. Der moderne Film noir, er hätte seinen passenden Soundtrack gefunden. "Admiring Those Artholes" am Stück zu hören, ist schwierig. Dem Ganzen überhaupt etwas abgewinnen zu können, letztlich simpel eine Frage des Geschmacks. Die Collage-artigen Kompositionen verzichten bewusst auf Stringenz und Leitmotive und sind in ihrer Radikalität und Härte schwer verdaulich. Nur selten wird der klangliche Grundtenor, der ein Bild der emotionalen Tristesse zeichnet, von kleinen Hoffnungsschimmern durchbrochen. Dennoch faszinieren NICOFFEINE gerade durch die verborgene Schönheit, die sich einem offenbart sobald man beginnt mehr als nur die irritierende Komplexität und Kälte der Stücke wahrzunehmen. Nicht jeder wird jedoch für diese eigene Form der Schönheit empfänglich sein.

www.triggerfish.de // Joshua Salewski // 28.01.08

KA.MPUS [15/01/2008]

Nicoffeine
»Admiring Those Artholes«

Rockmusik für Entdecker

Eine Warnung vorab: Nicoffeine ist nichts für Leute, die ihre Musik in bequemen Schubladen serviert bekommen wollen. Die Koblenzer Band rockt, jedoch macht sie dies weit Abseits von gewohnten Songstrukturen.Auch das neue Album verlangt dem Hörer einiges an Konzentration und Aufmerksamkeit ab. Macht man den Fehler und hört „Admiring those artholes“ nur nebenher, geht einem der experimentelle Rock schnell auf die Nerven. Doch hört man die Platte an seinem Lieblingsplatz, auf dem bequemen Sofa oder in der Badewanne, erschließt sich einem die einzigartige Atmosphäre der Musik.

Für Nicoffeine braucht man Zeit und Ruhe, dann eröffnen sich einem die einzigartigen Klangwelten, in denen es immer wieder etwas Neues zu entdecken gibt. Man freut sich über die Melodien, die sich immer wieder über den lärmenden Hintergrund erheben und man hat Spaß an den komplexen Songstrukturen. Am Ende der Platte bleibt einem dann nur noch eines zu tun: Repeat-Knopf drücken und erneut auf Entdeckungsreise gehen. Ab Oktober könnt ihr selber einen Blick in die Welt von Nicoffeine werfen, dann erscheint die Platte bei BluNoise Records.

Christophe Kopf // www.ka-mpus.extrahertz.de


MUSICS [24/11/2005]

Nicoffeine
»Savant Lies Away From Home«

Manchmal kann man nur über dieses Städtchen am Rhein staunen, denn was da alles an großartigen Rockbands aus Koblenz kommt, hat wohl kaum eine andere deutsche Stadt in der Größenordnung zu bieten: Blackmail, Scumbucket oder Ken. Und all diese Bands lassen es ja bekanntlich richtig krachen so auch Nicoffeine. Und auf ihrem neuen Album "Savant Lies Away From Home" kracht und scheppert es so richtig. Da gibt es Noise- und Doom-Rock in Reinkultur. Ohne Gesang, alles instrumental und mit den Reglern ganz nach oben gespielt. Wahnsinn! Da bleibt niemand ruhig sitzen. Gibt es nur auf Vinyl.

MD // www.musics.de


KIEL4KIEL [24/11/2005]

Nicoffeine
»Savant Lies Away From Home«

Wer dieses Album von Nicoffeine kaufen will, der muss wirklich in einen gut sortierten Plattenladen gehen, denn "Savant Lies Away From Home" gibt es nur als gutes altes Vinyl, das noch wirklich nach Musik riecht. Nicht so geruchlos wie eine CD oder gar tödlich steril wie eine MP3-Datei. Nein, dieses Werk atmet noch richtig Vinyl aus. Aber das ist nur der eine Grund, warum man dieses Werk nicht in jedem Elektro-Discounter bekommt, denn dieses Album ist ein richtiger Brocken, den der Otto Normal Verbraucher nicht ertragen und erst recht nicht verstehen kann.

Denn für die meisten Hörer ist es einfach nur Krach ohne erdenkliche Linie, die man Musik nennt. Für den Koblenzer Musiker und Soundbastler Soheyl Nassary ist das Musik, und das ist nicht sein Erstlingswerk, denn schon 1998 brachte er eine EP heraus, die auf Noise gebaut war.

Seitdem hat er noch Split Eps und auch ein Album und logischerweise auch schon einiges bei dem bekannten BluNoise Label herausgebracht. Und bei diesem Label ist er ja auch gut aufgehoben, wenn man auch sagen muss, dass er wohl der lauteste und größte Noisemaker im Labelkatalog ist. Hätte vermutlich besser noch beim Ipecac Label reingepasst, denn bei der Musik würde Mike Patton bestimmt eine Erektion bekommen.

Hier gibt es teilweise minutenlang Gitarrensalven um die Ohren gehauen, einen Gesang, der dauerhaft schreit und Schlagzeug-Gewitter, das auf einen herunterprasselt. Doch es gibt fast ruhige Momente, in denen man fast schon von Ambiente Musik sprechen kann, Zeiten, wo man die Musik nicht wahrnimmt. Doch über dem Hörer braut sich das nächste Noise Gewitter zusammen.

Wie gesagt, das ist keine Kost für jedermann, sondern eher für Menschen, die Noisemusik mögen und mit ihrem geschultem Ohr handelsüblichen Krach von Musik unterscheiden können. Und natürlich für Plattenspielerbesitzer.

Hahe // 24. Nov 2005


NOISY NEIGHBHOURS [01/11/2005]

Nicoffeine
»Savant Lies Away From Home«

Was soll Noise? Muss das anstrengend sein, oder gar nerven? Woran kann man Hörbarkeit festmachen; könnte man sie gar messen? Wahrscheinlich nicht notwendiger Weise. Wie kann man unter solchen Umständen Qualität einschätzen? Auf ihrer dritten Veröffentlichung auf bluNoise klingen Nicoffeine schlicht ziemlich geil und sogar deutlich eingängiger, weil konkreter als auf den Vorgängern; wobei dieses Statement mit Vorsicht zu geniessen ist - wir haben es immer noch mit Noise Rock zu tun, der mal nach vorne polternd, mal trippig soundscapig bindet. Ja, er bindet.

Da die Band einen Mann eigens zum Einsatz von Effekten und Verfremdungen an Bord hat und die vocals ziemlich zurückgemischt sind gibt es sehr dichte Texturen, wobei darauf hingewiesen sein soll, dass hier nicht mit "fettem Sound" hausieren gegangen wird, sondern grob und ungehobelt vorgegangen wird. Verfeinerung zeichnet sich ab, wenn es ruhiger wird. Eine spannende Platte, die mitunter das Potential zum Soundtrack hat und womöglich genau das ist. Es wäre nicht das erste Mal dass Soheyl Nassary, einziges verbliebenes Gründungsmitglied und Bandkopf einen Film fährt. Der Mann ist nämlich recht umtriebig, was künstlerisches Anderssein angeht. Seit Mitte der neunziger Jahre nimmt er Platten mit oder ohne Band auf, veröffentlicht sie im Alleingang oder auf bluNoise; als Grafik- und Webdesigner hat er nicht nur das optische Auftreten seiner Projekte im Griff, sondern unter anderem auch die neue bluNoise-homepage.

Das gehört zwar nicht hierher, bleibt aber trotzdem stehen. Wie auch das Fazit, dass Nicoffeine mit dieser Platte eine neue Ebene erreicht haben und sich zu einem Flagschiff der jüngeren Noise-Generation gemausert haben. Erstmal Vinyl only, glaube ich.

Marcel v.d. Weiden // Noisy Neighbours / Heft Nr.13


THE GAP / AUS [01/09/2005]

Nicoffeine
»Savant Lies Away From Home«

Nicoffeine kommen aus Koblenz und das einzige, das an ihnen dezidiert europäisch klingt, ist der etwas bemühte Name. Seit 1995 macht man in wechselnder Besetzung Musik, die sich wirklich hören lassen kann. Gitarren-Noise, der auf ruhige Post-Rock-Momente ebenso wenig verzichtet wie auf Riff-Reste, aus denen durchausauch Songs hätten entstehen können. Besonders stechen hierbei ein sehr organischer Sound, der zeigt, dass man es hier mit einer Band zu tun hat, und die Berührungspunkte mit den verschiedenen benachbarten Genres heraus.

Das die Tracks hier Überlänge haben, sich während ihrer Laufzeit stark verändern und die Stimme eher als weiteres Instrument, denn als Träger einer Botschaft genützt wird, gehört da sowieso zum guten Ton. Souveräne, überzeugende Klänge mit genügend Eigenständigkeit. Nicoffeine haben es mit ihrem fünften Longplayer offensichtlich nicht mehr nötig, sich etwas zu beweise und fahren damit ziemlich richtig. (7/10)

Martin Mühl // The Gap (AUS) / Heft Nr.62 September 2005


GAESTELISTE [21/10/05]

Nicoffeine
»Savant Lies Away From Home«

Eines vorweg: Diese Platte ist ein echter Brocken und zwar in zweifacher Hinsicht. Zum Einen erscheint Nicoffeines "Savant Lies Away From Home" ausschließlich in fetter Vinyl-Version, andererseits legt die Koblenzer Band um den Musiker, Designer und Soundtüftler Soheyl Nassary hiermit ein Werk vor, das eigentlich nur spalten kann. Echte Noise-Fans, deren geschultes Ohr Krach von Qualität unterscheiden kann, werden an dieser wirklich gewaltigen Scheibe ihre helle Freude haben.

Ungeübten Genre-Anfängern sei nun wirklich etwas anderes angeraten, denn nach üblichen Indie-Pop-Maßstäben, ist das ganze Unterfangen ein einziger, breiiger Krach-Trip. Aber so kann man Nicoffeine eben nicht begegnen. Nur mal als Tip: Wenn du mindestens zehn Platten, am besten auch Ältere, aus den blunoise-Studios dein Eigen nennst und zudem noch an Vinyl Freude hast, solltest du hier beruhigt zugreifen. Alle anderen werden mit Niccofeines krachigen, ausufernden Soundlandschaften kaum etwas anfangen können.


Carsten Wilhelm

WARSCHAUER [25/04/2004]

Nicoffeine
»Bodysoothing« // Nicoffeine/Lude-SPLIT

Wow, klares Vinyl ist auch cool. Sie enthält eine Iterpretation von John Coltranes Kulu Se Mama, das 1965 raus kam. Leider kenn ich sie nicht, doch das was das Projekt Lude daraus gemacht hat, lässt dich 16 Minuten auch ohne Drugs abheben, auf einem Soundteppich Schweben. Lude ist ein Projekt aus Guido Lucas und den anderen Scumbuckets (nur ohne Gitarren-Kurt, weil ohne Gitarren).

Die 20 Min. Backside gestalten mit ihrer Interpretation Nicoffeine aus Koblenz, wessen Seele Soheyl auch das aufwendige Coverbild designt hat, welches mir allerdings Angst macht, weil Es aus meiner Sicht die Verschmelzung zwichen Technik und Mensch ausdrückt.

(bluNoise Rec.) Örsel

POSTROCK [04/03/2004]

Nicoffeine
»Bodysoothing« // Nicoffeine/Lude-SPLIT

Guido Lucas, produzent mit faible für musik jenseits des 30-jahre haltbarkeitsdatums, bringt mit seinem projekt LUDE hier eine split 12" an den start, die so gar nichts mit den alternativ rockenden klängen seiner anderen betätigungsfelder (u. a. SCUMBUCKET, KEN) zu tun haben will. seine seite dieser brillant gestalteten, durchsichtigen vinylscheibe bestreitet er mit einer version von JOHN COLTRANEs "kulu se mama". knappe 20 minuten schlängelt sich die eigenwillige adaption, an der sich auch seine drei mitstreiter beteiligen, aus den boxen und ist ist in ihrer mischung aus avantgarde, jazz und vocaltupfern alles andere als leicht bekömmlich. das hypnotische opus verzichtet übrigens komplett auf gitarren, offenbart denjenigen, die sich darauf einlassen, aber einen faszinierenden soundtrip, der mühelos mit jeglichen songwriterischen anhaltspunkten bricht.

NICOFFEINE, die auch nicht gerade für ihre stringenten kompositionen berühmten koblenzer, kontern mit "bodysoothing". die ebenfalls sehr sphärische klangmalerei des vierers toppt die songlänge der gegenspieler sogar noch und nimmt durch die prägnante bassarbeit sowie echo-effekte beinahe dub-artige züge an. bleibt festzuhalten, dass sich bei dieser split-disziplin beide parteien optimal ergänzen (was selten genug passiert) und sie durch das extravagante artwort on top ein äußerst lohnendes gesamtresultat abgibt. zumindest für experimentierfreudige naturen.

Micha, März 04 // Postrock


REVELATION [30/10/2002]

 

Nicoffeine
»Beware The Ides of August / Supercharger NO. Six«

Schon längere Zeit warte ich auf eine Plattenfirma, die sie sich endlich des verwaisten Feldes des Noisecores annimmt, das früher einmal von einem renommierten Label wie AMPHETAMINE REPTLE besetzt wurde. Hier bietet sich ein durchaus lohnendes Betätigungsfeld. Mit dem melodischen und unseren Erwartungen nicht entsprechenden Hardcore, mit dem wir in letzter Zeit des öfteren von BLUNOISE zugeschmissen wurden (eine Ausnahme sind RINDERWAHNSINN, eine andere die von der Boulevardpresse gnadenlos zerrissenen (LUDE), können NICOFFEINE nicht in Verbindung gebracht werden. Es kommt nicht häufig vor, dass eine Band, deren Domäne wuchtige Gitarrensounds sind, mit einem Ambientstück beginnt. Das nach dem Opener dargebotene Material kreist nicht um den Angelpunkt einer alles in den Mittelpunkt stellenden Aggressivität, an der sich der Zuhörer oftmals schnell abarbeitet; die ausufernden und teilweise in ihrer Struktur offen angelegten Stücke assoziieren spielerisch Soundlandschaften, in die man sich bei allem Krach entspannt fallen lassen kann. NICOFFEINE sollten nur der Anfang einer Veröffentlichungspolitik sein, die dem Namen NOISE, den man ja schließlich rogrammatisch im Label trägt, auch umsetzt.

Thomas


OPENMINDED / NL [25/09/2001]

Nicoffeine
» Beware The Ides of August / Supercharger NO. Six«

Nicoffeine is een mix van nicotine en cafeine, die vele mensen dagelijks tot zich nemen als ze even van hun werkpiek een bakkie doen. De band die onder deze naam van zich laat spreken is een niet zo'n alle-daagse mix. Zo opent hun cd met Nea, een vreemdsoortig langgerekte spacescape met gesproken tekst. Net als je meedrijft wordt je in je gezicht geslagen door Masturbation A.D.. wat puur noise gericht is, maar dan met zeer unheimisch ka- rakter. Zo geeft Volume, l met zijn vele vervorming, echo en zwaar dronkenachtig gitaargeluid je het ideel" dat je langzaam misselijk aan het worden bent. Golfbewegingen vanuit het middenrif. Kotier en overzichtelijker zijn Happeelee en Swearword: pure noise-terreur. Met nummers van dik acht minuten echter, blijkt dat de noise vaak lang wordt uitgesponnen en toch weer de space kant op gaat, die je in het extreme Make It Better... van 22 minuten uiteindelijk wat ambivalent achter laat.

Jeroen Beynon

TRUST [18/08/2002]

Nicoffeine
»Beware The Ides of August / Supercharger NO. Six«

NICOFFEINE - 'Beware The Ides Of August/Supercharger Nr. 6' CD aus dem Hause Blu Noise. Nicoffeine spielen schwer-destruktiven Noiserock der nicht in der Nähe von Suizidgefährdeten abgespielt werden sollte. Düstere Soundwände ä la Neurosis/Unsane, Screamogesang und ein latenter Converge-HC-Metal Einschlag machen diese CD zu einer Herausforderung für meine Melodie verwöhnten Ohren.

Trust // 2002

WESTZEIT [04/05/2002]

Nicoffeine
»Beware The Ides of August / Supercharger NO. Six«

Nicht gerade Leichtverdauliches muten uns die deutschen Nicoffe-ine mit ihrem aktuellen Material zu. Psychotischster Noise - strukturverzerrt und subversiv. Teils wütend, teils melancholisch wird der Konsument geradewegs in eine seltsam interessante Eigendimension befördert. Wenn er will bzw. es aushält. Nlcoffeine polarisieren und bieten absolute Spezialware im Noise-Geschaft. Großartig für den einen, grauenhaft für den anderen.

Charlie Dimel // Westzeit

OX-FANZINE [11/02/2002]

Nicoffeine
»Beware The Ides of August / Supercharger NO. Six«

Genau so muß Noiserock klingen o verschachtelt, verschwommen und. wie der Name schon sagt. Laut! NICOFFEINE hießen früher MIDIAN, sind inzwischen zu viert, rollen da aber einen Brocken an Sound vor sich he, der es wahrlich in sich hat! Die acht Stücke ihres neuen Albums brillieren durch lange, spacig verzerrten Gesang, schwerstes Gitarrenbrett und viel Hall und Raum. Eigenwillig kantige Songstrukturen. hier und da, aufblitzende Melodiebögen. die im nächsten Moment schon wieder von einer Dampfwalze überfahren werden und eine fette Produktion, immer nah am Rand des Übersteuerns - alles in allem eine richtig gute Platte, dir allerdings nicht gerade zur Kaufhausbeschallung geeignet ist. Sound zum drin aufgehen oder zum mit ihm untergehen!

Frank Nice (66:18)(8)

WALLSOFFIRE [01/02/2002]

Nicoffeine
»Beware The Ides of August / Supercharger NO. Six«

Hinter dem mehr als coolen Bandnamen verbirgt sich eine Band, die vom Stilistischen her gesehen, kein besseres Label hätte finden können: Blu Noise. Denn Nicoffeine sind Noisy. Genauso, wie man sich eine Noise-Band immer vorstellt: Krachig, intensiv & zäh. Dunkle Aufbauten, die einem dichten Dickicht an atmosphärischen Elementen gleichkommen und sich teilweise über lange Distanzen ziehen, ohne dabei langweilig zu werden. Doch nicht nur der Noise hält Einzug im Hause Nicoffeine - Auch der Schönheit des Grauens wird eine Chance gegeben. Nachzuhören im genialen "Volume", welches sich durch 9 Minuten wütet und dabei allerei Arten der Zerstörung zum Zug kommen lässt. Das es auch schneller geht, zeigen wiederrum kurze Songs wie "Swearword" oder "Happeelee" (so würden Helmet heute vielleicht klingen, wenn sie sich den etwas nosigeren Gefilden in Richtung Unsane zugewandt hätten), die wütend und teilweise fast schon progressiv unter der Hörerschaft aufräumen.

"Winternet", das Wortspiel ist vielleicht sogar ein wenig bezeichnend für die Atmosphäre der CD - das kalte, organische auf der einen Seite, das etwas geborgenere moderne, maschinelle auf der anderen Seite, braucht allerdings wieder 9 Minuten, um sich in den Gehörgängen zu verheddern. Verheddern ist vielleichgt zu schwach, eher festkrallen, vielleicht sogar ein wenig schmerzhaft. Nach rund 5 Minuten ragt allerdings wieder der Phoenix aus der Asche - die wasserspendende Oase inmitten eines Endzeitszenarios erster Güte. Und schon macht sich im Herzen wieder eine gewisse Wärme bemerkbar, die man vielleicht als Zeichen deuten sollte: Maschinen sind auch nur Menschen. Nach kurzer Auslebung der vertonten Wärme steigert sich der Song in einen wahren Orkan irgendwo zwischen Neurosis und Atari Teenage Riot. Undurchsichtiger präsentiert sich der Opener "Nea" zu dem auch ein Video gedreht wird.

Der Song stellt eher eine Art Kollage da, die sozusagen der Platte den "Sprung Ins Kalte Wasser"-Effekt verleiht. Hat man sich von an "Nea" durch die Platte gearbeitet und die bereits erwähnten Stationen abgehandelt hat, gilt es den Rausschmeißer "Make It Better..." zu verdauen. Ein 22-Minütiger Berg eines Songs, der bei Windstärke 8 zu Verletztungen im Bereich der Ohren beitragen kann. In der Apotheke auf Rezept bekommt ihr diese CD wohl kaum, den Vermerk "Auf eigene Gefahr" bringe ich trotzdem an.

Autor: [Kervorkian]


SELFISH [12/10/2001]


Nicoffeine
»Beware The Ides of August / Supercharger NO. Six«

"nea" eröffnet das aktuelle album von NICOFFEINE auf gewohnt-ungewöhnliche art. fast mantra-artig werden wortfetzen wiederholt und der überlange song bläht sich zu einem atmosphärischen klangwall auf, der schwer bis gar nicht in worte zu fassen ist. ich bin gespannt, wie Soheyl Nassary und seine kollegen diesen in dem geplanten videoclip audiovisuell umsetzen werden. auch die anderen sieben songs auf diesem longplayer brechen wie selbstverständlich mit gängigen hörgewohnheiten. das material erinnert in seiner konsequenz an NEUROSIS, neuzugang und "bald-mitglied" rotorboy erweitert das klangspektrum aber um einige (elektronische) akzente.

Zudem darf bei NICOFFEINE auch gerockt werden, wenn auch in verschlüsselter form und fernab regulärer songstrukturen. irgendwie - und diese feststellung vermag ich leider weder zu begründen noch zu erklären - hat die musik auf "beware.../supercharger" etwas unheimlich entspannendes. vielleicht kapituliert mein gehirn aufgrund von soundtechnischer übersättigung auch einfach. NICOFFEINE tun mir jedenfalls nicht weh, sondern gut. und das 22-minütige "make it better" ist eine paradoxon. besser geht's nämlich nicht.


SOUNDBASE [25/08/2001]

Nicoffeine
»Beware The Ides of August / Supercharger NO. Six«

Puh, harter Tobak, was uns Nicoffeine da auf den Gabentisch legen. Schon der Opener Nea nimmt seine Aufgabe als Konterpart jeglichen Kommerzes wirklich ernst. Die gesampelte Stimme von Bandmitglied Rotorboy - als würde sie aus dem Jenseits kommen - lullt den Hörer durch notorische Langsamkeit und Monotonie ein, bevor das einsetzende Schlagzeug und weitere Samples die Atmosphäre auf den Höhepunkt einer Beklemmung treiben, wie ich sie selten erleben musste. Etwas Nea-ähnliches geht wohl im Kopf eines psychopathischen Massenmörder vor; fünf Minuten vor der Tat. Masturbation a.d., der zweite Song, bricht dann mit Dissonanz, Hass aber auch in Hilflosigkeit winselnd über mich herein, dass mir das Blut in den Adern gefriert. Sehr intensiv, zweifellos; wird dem, was man sich unter einem Song vorstellt, jedoch zu keiner Sekunde gerecht. Mehr in der Tradition von Neurosis, ganz leicht Killing Joke streifend, ohne deren metallische Komponente zu integrieren, widmen sich Nicoffeine der Zerstörung - und zwar komplette acht Songs in Folge. Was am Anfang den Reiz eines ungewöhnlichen Intros inne hatte, fängt spätestens ab dem dritten Titel gewaltig an zu nerven.

Immer eigenbrödlerischer werdend, verschwindet die Band in ihrem eigenen Klang-Kosmos und trifft dabei über kurz oder lang meine Nerven wie ein Shrapnel-Geschoss seinen direkten Umkreis. Anders gesagt. Ein ähnlicher Effekt wie bei den Elektronik-Bastlern Mouse on Mars stellt sich auch hier beim Hören ein. Ich ließ die Platte im peripheren Hintergrund laufen, schenkte ihr irgendwann keine Aufmerksamkeit mehr und plötzlich geht mir unterschwellig irgend etwas tierisch auf den Sack. Besonders kaputten Gestalten mag Nicoffeine etwas geben, ich bin mittlerweile zu alt, mir den Tag durch so etwas kaputt machen zu lassen. Um mit den Worten meiner Oma zu sprechen: "Das ist fiesester (Indie-Noise)-Krach!" P.S.: Die vergebenen Punkte sind hauptsächlich wegen des gelungenen Covers - und zwar nicht wegen der Titten darauf! (JK)

Anspieltips: Die Erste Minute Von "Winternet"

11mp [27/07/2002]


Nicoffeine
»Beware The Ides of August / Supercharger NO. Six«

Kennt von Euch noch einer die lustigen Tiere aus dem Mutantenzoo des MAD Magazins? Es gab äußerst witzige Gattungs-Kreuzungen dort. Den Pu-del-phin zum Beispiel, einen Köter mit Schwanzflosse.

Oder den Schimpan-see-hund, einen Bananen essenden Meeressäuger. Nicoffeine ist auch ein solcher Fall einer seltsamen Kreuzung: Nico, das nackte Mädel auf dem Cover, liebt Koffein. Soweit klar. Warum die Gute aber auf allen Bildern schwarz raucht und nicht schwarz trinkt, bleibt mir ein Rätsel. Wie die Musik, denn die ist sperrig, unzugänglich, zeitvegeudend und mit seiner epochalen Ausuferung ein sehr rares Biest, hierzulande. Alleine der Albumtitel macht deutlich, daß Popstars eine andere Liga ist. "Nea", ein athmosphärisches Soundmonster, das sich erst nach einigen Minuten langsam dazu bequemt Stellung zu beziehen und sich als Song zu outen. Das Info-Statement, es werde zu dieser Nummer ein TV-Video geben klingt, nun, nunja... Obwohl im Laufe der seit 1995 verstrichenen Zeit mit Soheyl Nassary nur noch ein Gründungsmitglied den Trip der Band überstanden hat, wirkt Nicoffeine selbst in ausufernden, 8-minütigen Weltreisen wie ein homogen geschlossener Haufen Querdenker, der seine unzuordbaren Frickeleien stolz Musik nennt. Ich fühle mich erinnert an Fantomas.

Nicht musikalisch: Nicoffeine auf ihre Art destruktiv, aber nicht über Lärm und brachiale Kraft sondern wegen des künstlerischen Backgrounds: Mike Patton würde mit ebensoeinem Steifen im Studio sitzen wie Noise-Guru Guido Lucas bei den Aufnahmen zu "beware the ides of august/supercharger no. six" und über die abgefickte Gelassenheit der Band staunen, während alle Welt sich die Haare rauft. Die Abkehr vom Pop hat einen neuen Namen.

Mirko Gläser // 11mp


THE EVIL CRANE [05/07/2001]

Nicoffeine
»Beware The Ides of August / Supercharger NO. Six«

Ausnahmsweise mal keine schwere Noiserock-Kost aus dem Hauses blu Noise. Dafür aber gibt's hier völlig abgedrehten Space-Sound von Nicoffeine. Alles ist permanent am Wabbern und Schweben. Im Hintergrund scheppert freejazzmäßig ein Schlagzeug, vor ihm. in diversen Reihen, Spuren und Umlaufbahnen, komplett verechote und verzerrte Gitarren, Stimmen. Orgeln und Soundeffekte. Acht Songs wie ein einziger Trip! Eine psychedelische Soundorgie in die Tiefen deines Gehirns geschickt Gitarrenspuren durch einen Berg LSD-Trips gejagt. Manchmal Monster Magnet in ihren besten Tager voll auf Dope. Der Flansher ist der Band bester Freund, es wird geloopt was das Zeug hält.

Dann aber kommen Nicoffeine auch wieder verspielt, verträumt, fast zart. Ich würde niemand, der ein bisschen vom verbotenen Kuchen genascht hat. empfehlen, gleichzeitig diese Platte zu konsumieren. Könnte zum Kollabieren führen. Das hier ist völlig kranker Psychedelic-Pillen-Rock. der dich irre macht. Wer aber immer schon mal Hören wollte, wie es in Ozzys Kopf so klingt und scheppert, der kaufe sich diese Platte hier, (blu Noise records)

The Evil Crane


NEWWIND [11/02/2001]

Nicoffeine
»Beware The Ides of August / Supercharger NO. Six«

Vorsicht, NICOFFEINE sind ganz bestimmt nichts für psychisch labile Personen. Genauso wenig wie Zigaretten und starker Kaffee, und von daher darf man den Bandnamen durchaus als Warnung verstehen.

Denn NICOFFEINE zelebrieren ziemlich dunklen, depressiven und vor allem lärmigen Rock, bei dem die Melodien hinter einem gewaltig hohen Soundwall versteckt sind und meist auch bleiben. Nimm den Geschrei und die düstere Melancholie von NEUROSIS, und paare sie mit der Ausdauer und Tiefe der SONS OF OTIS und der Punkattitüde UNSANEs, und Du gelangst ungefähr an die Klangattitüde der fünf Koblenzer heran. Als ich mir die CD zum ersten Mal anhören wollte, ging es mir ähnlich wie mit der "Jane doe" von CONVERGE und ich musste das Ding nach drei Liedern aus meinem CD-Player entfernen, weil es mich dermaßen anstrengte. Wenn man es allerdings wagt, sich der Musik näher hinzugeben, offenbart sich einem in der Düsternis auch eine gewisse Schönheit, die Gitarren- und Schlagzeugwände erscheinen plötzlich notwendig und der verzerrte Gesang und Geschrei wie eine Art Erlösung.

So kamen mir zum Ende des letzten Stückes auch ein wenig GODSPEED YOU BLACK EMPEROR in den Sinn, denn nach sechs Minuten Weltuntergangsstimmung folgen für eine weitere Viertelstunde (!) eigentlich nur noch Gitarrenfragmente und diverse andere fremde Klänge, die zwar weiterhin düster anmuten aber gleichzeitig eine unglaubliche Ruhe und Langsamkeit ausstrahlen. Seltsame, anstrengende, aber irgendwie auch schöne Musik.

7/10 (Jens Gerdes) // Newwind


BLOOM [21/02/2001]

Nicoffeine
»Beware The Ides of August / Supercharger NO. Six«

Den Abschluss bildet heute nach längerem eine neue Veröffentlichung auf dem Hauslabel bluNoise-Records. Für "Beware The Ides Of August/ Supercharger No. 6" sollte man allerdings Zeit und Nerven mitbringen, denn die acht Songs auf dem neuen Album von Nicoffeine machen nicht nur Krach am Rand der Schmerzgrenze, sondern bringen es auch auf schlappe 66 Minuten! Wer dranbleibt (allein der Opener dauert acht Minuten), stößt auf faszinierende laut/ leise-Breaks und immer tiefer gehende Klangschichten. Geheimtipp.

Friedrich Reip // bloom